Teil der Reihe: Fuhrparkleiter: Aufgaben, Haftung und Delegation
Reifenmanagement im Fuhrpark: Wechsel und Einlagerung
Reifen sind ein laufender Kostenblock und zugleich sicherheitsrelevantes Bauteil. Der Saisonwechsel gelingt nur als geplantes Projekt mit früh gesicherten Werkstattkapazitäten und einer Profilmessung vor der Saison. Bei der Einlagerung entscheiden Lagerbedingungen, Reifenalter und die eindeutige Zuordnung von Reifensatz und Fahrzeug über den Werterhalt. Wer Wechseldatum, Kilometerstand, Profiltiefe, DOT und Lagerort dokumentiert, spart bei der Leasingrückgabe bares Geld.

Reifenmanagement gehört zu den Fuhrparkaufgaben, die erst auffallen, wenn sie schiefgehen. Reifen stehen selten oben auf der Prioritätenliste, verursachen aber in jedem Jahr laufende Kosten, binden im Frühjahr und Herbst knappe Werkstattkapazität und entscheiden im Ernstfall über den Bremsweg. Kommt dann noch die Frage hinzu, wo eigentlich der zweite Satz eines vor zwei Jahren übernommenen Fahrzeugs liegt, wird aus einem Verschleißteil ein Organisationsproblem — meist genau an dem Tag, an dem der erste Schnee gemeldet ist.
Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Reifenwechsel, Profilkontrolle und Einlagerung so organisieren, dass sie planbar werden. Es geht um den Saisonwechsel als Projekt, um Profiltiefe und Reifenalter, um die Wahl zwischen Einlagerung beim Dienstleister und im eigenen Haus, um die Dokumentation, die sich bei der Leasingrückgabe auszahlt, und um die Frage, wann Ganzjahresreifen eine sinnvolle Option sind. Ein eigener Abschnitt behandelt die Regeln in Österreich.
Reifen sind ein unterschätzter Kostenblock — und ein Sicherheitsfaktor
In den Gesamtkosten eines Fahrzeugs stehen Reifen selten im Rampenlicht, weil sie unregelmäßig anfallen und über mehrere Jahre verteilt sind. Rechnet man Beschaffung, Montage, Auswuchten, Einlagerung, Entsorgung und die Ausfallzeit während des Wechsels zusammen, ergibt sich über eine Haltedauer hinweg jedoch ein spürbarer Posten. Er lässt sich steuern, aber nur mit Überblick: Wer nicht weiß, welche Fahrzeuge auf welchem Profil stehen, kauft entweder zu früh oder zu spät — beides kostet.
Die zweite Seite wiegt schwerer. Reifen sind das einzige Bauteil mit Kontakt zur Fahrbahn. Nachlassendes Profil verlängert den Bremsweg auf nasser Straße erheblich und erhöht das Risiko von Aquaplaning. Für den Halter ist das keine rein technische Frage: Er muss dafür sorgen, dass die Fahrzeuge in verkehrssicherem Zustand bewegt werden, und muss bei winterlichen Verhältnissen für eine geeignete Bereifung sorgen. Welche Pflichten daraus konkret folgen und wie die situative Regelung in Deutschland und Österreich funktioniert, behandelt der Beitrag zur Winterreifenpflicht im Fuhrpark.
Reifen in Abfahrtskontrolle und UVV-Prüfung
Reifenkontrolle ist keine Sonderaufgabe, sondern Teil zweier Routinen, die im Fuhrpark ohnehin laufen sollten. Die tägliche Sichtprüfung vor Fahrtantritt umfasst Reifenzustand, Luftdruck und sichtbare Beschädigungen — was dabei zu prüfen ist, fasst die Checkliste zur Abfahrtskontrolle zusammen. Die wiederkehrende arbeitsschutzrechtliche Prüfung der Fahrzeuge sieht die Bereifung ebenfalls vor; Ablauf und Fristen erklärt der Beitrag zur UVV-Prüfung von Fahrzeugen. Der praktische Nutzen: Beide Routinen liefern Ihnen ohne Zusatzaufwand Hinweise darauf, welche Fahrzeuge vor der nächsten Saison neue Reifen brauchen.
Der Saisonwechsel ist ein Projekt, kein Termin
In einem Privathaushalt ist der Reifenwechsel ein Nachmittag. In einem Fuhrpark mit zwanzig, fünfzig oder hundert Fahrzeugen ist er ein Vorgang über mehrere Wochen, der geplant werden will — sonst konkurrieren Ihre Fahrzeuge im Oktober und November mit allen anderen um dieselben Hebebühnen. Die Planung gehört zu den wiederkehrenden Aufgaben der Fuhrparkleitung, deren Aufgabenfelder und Haftung der Beitrag zu Aufgaben, Haftung und Delegation der Fuhrparkleitung beschreibt.
Werkstattkapazität im Herbst früh sichern
Der Herbsttermin ist der Engpass. Sprechen Sie Werkstatt oder Reifendienst deshalb im Spätsommer an und vereinbaren Sie feste Zeitfenster für Fahrzeuggruppen statt Einzeltermine. Sinnvoll ist eine Reihenfolge nach Bedarf: Fahrzeuge mit hoher Fahrleistung, Fahrzeuge in höher gelegenen Einsatzgebieten und solche mit ohnehin knappem Restprofil zuerst. Planen Sie außerdem ein, dass jeder Wechsel Ausfallzeit bedeutet — wer Termine über den Tag verteilt statt alle Fahrzeuge am selben Morgen zu schicken, hält den Betrieb aufrecht. Für Fahrzeuge mit einem zweiten Radsatz auf eigenen Felgen geht der Wechsel spürbar schneller als bei Reifenmontage auf dieselbe Felge; das relativiert die höheren Anschaffungskosten der zweiten Felgen über die Haltedauer.
Profiltiefe vor der Saison messen, nicht danach
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt in Deutschland bei 1,6 Millimetern. Diese Zahl beschreibt die Grenze zur Ordnungswidrigkeit, nicht einen sicheren Zustand. Automobilclubs und Reifenhersteller empfehlen deutlich mehr: bei Sommerreifen etwa drei Millimeter, bei Winterreifen etwa vier Millimeter Restprofil, weil Nässe- und Schneegriffigkeit darunter stark nachlassen.
Entscheidend ist der Zeitpunkt der Messung. Wer im Frühjahr beim Abmontieren misst, weiß, ob der Winterreifensatz den nächsten Winter noch schafft — und kann in Ruhe beschaffen, statt im Oktober zu Tagespreisen und mit Lieferzeiten zu kämpfen. Messen Sie deshalb bei jedem Wechsel beide Sätze und halten Sie den Wert fest. Beachten Sie außerdem, dass seit dem 1. Oktober 2024 in Deutschland nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol — dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke — als Winterreifen gelten; die frühere Übergangsregelung für ältere Reifen mit reiner M+S-Kennzeichnung ist ausgelaufen. Prüfen Sie ältere Bestandssätze daraufhin, bevor Sie sie noch eine Saison einplanen.
Einlagerung: Reifenalter, Lagerbedingungen und Zuordnung
Reifenalter und DOT-Nummer
Reifen altern auch ohne Nutzung, weil die Gummimischung aushärtet und an Elastizität verliert. Das Herstellungsdatum steht in der DOT-Kennzeichnung auf der Flanke: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Produktionsjahr. Feste gesetzliche Altersgrenzen für Pkw-Reifen gibt es nicht, wohl aber verbreitete Empfehlungen von Automobilclubs und Prüforganisationen — sie reichen von rund sechs bis acht Jahren bei Winterreifen bis zu etwa acht bis zehn Jahren bei Sommerreifen. Für den Fuhrpark ist weniger die exakte Zahl entscheidend als die Konsequenz: Legen Sie eine Altersgrenze in der Fuhrparkrichtlinie fest und erfassen Sie die DOT-Nummer je Satz, sonst wird das Alter nie geprüft.
Beim Dienstleister oder im eigenen Haus
Die Einlagerung beim Reifendienst kostet eine Gebühr je Satz und Saison, nimmt Ihnen aber Fläche, Handling und meist auch die Sichtprüfung ab. Eigene Lagerung rechnet sich, wenn geeignete Fläche vorhanden ist und jemand die Verwaltung übernimmt. Fachgerecht heißt: kühl, trocken, dunkel, gut belüftet und entfernt von Kraftstoffen, Lösungsmitteln und Ozonquellen wie laufenden Elektromotoren. Reifen ohne Felgen werden stehend gelagert und regelmäßig gedreht, komplette Räder liegend gestapelt oder aufgehängt.
Haftung und die Zuordnung von Reifensatz und Fahrzeug
Der häufigste Ärgerpunkt ist nicht das Lager, sondern die Zuordnung. Wechselt ein Fahrzeug den Nutzer, kommt ein Fahrzeug hinzu oder wird eines ausgeflottet, muss klar sein, welcher Satz dazugehört. Kennzeichnen Sie jeden Satz mit dem Kennzeichen und der Fahrgestellnummer, nicht mit dem Namen des Fahrers. Regeln Sie außerdem schriftlich, wer für Schäden während der Lagerung haftet, ob eine Zustandsprüfung bei Annahme erfolgt und wie schnell die Sätze bei einem Anbieterwechsel herausgegeben werden. Ohne diese Punkte gehen bei Fahrzeugabgängen regelmäßig Sätze verloren — und mit ihnen ein vierstelliger Wert.
Was Sie dokumentieren sollten — und was es bei der Leasingrückgabe wert ist
Eine brauchbare Reifenakte je Fahrzeug ist kurz. Diese Angaben genügen und sollten bei jedem Wechsel aktualisiert werden:
- Wechseldatum und Kilometerstand: die Grundlage, um Laufleistung je Satz und den nächsten Wechselzeitpunkt abzuschätzen.
- Profiltiefe beider Sätze: gemessen beim Wechsel, damit die Ersatzbeschaffung vor der Saison entschieden werden kann.
- DOT-Nummer und Dimension: für Altersgrenze, Nachkauf und die Prüfung, ob die Bereifung zur Zulassungsbescheinigung passt.
- Lagerort und Lagerbeleg: Standort oder Dienstleister und die Nummer des Einlagerungsvertrags.
Diese Dokumentation zahlt sich spätestens bei der Rückgabe eines Leasingfahrzeugs aus. Der Reifenzustand ist ein regelmäßiger Streitpunkt: zu geringes Restprofil, gemischte oder nicht freigegebene Bereifung und fehlende Zweitsätze führen zu Nachbelastungen. Wer den Zustand kennt, kann vor dem Rückgabetermin nachbessern, statt sich überraschen zu lassen — welche Punkte dabei sonst noch zählen, beschreibt der Beitrag zur Vorbereitung der Leasingrückgabe. In einer Fuhrparksoftware wie DocuFleet lassen sich diese Angaben je Fahrzeug hinterlegen und mit Terminerinnerungen für den nächsten Wechsel verbinden, sodass die Reifenakte nicht in einer separaten Tabelle veraltet.
Beschaffung: Ganzjahresreifen, Qualität und Gesamtkosten
Ganzjahresreifen sind für Teile des Fuhrparks eine ernsthafte Option. Sie ersparen den zweimaligen Wechsel, die Einlagerung und die doppelte Ausfallzeit — das ist bei Fahrzeugen mit geringer Fahrleistung, überwiegend städtischem Einsatz und in Regionen ohne ausgeprägten Winter oft die wirtschaftlichere Lösung. Führen sie das Alpine-Symbol, sind sie bei winterlichen Verhältnissen zulässig.
Ihre Grenzen sind ebenso klar: Ein Ganzjahresreifen ist ein Kompromiss und erreicht weder die Nässeleistung eines guten Sommerreifens bei Hitze noch die Schneeleistung eines Winterreifens. Bei hoher Fahrleistung, schweren oder stark beladenen Fahrzeugen und regelmäßigen Fahrten in Mittelgebirge oder Alpenraum bleiben Saisonreifen die bessere Wahl. Auch beim Preis lohnt der Blick über den Anschaffungspreis hinaus: Günstige Reifen mit schwacher Nasshaftung und höherem Rollwiderstand verteuern über Verbrauch und kürzere Laufleistung die Gesamtkosten je Fahrzeug oft stärker, als der Einkaufsvorteil einbringt. Das EU-Reifenlabel mit Angaben zu Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusch liefert dafür eine erste Orientierung, ersetzt aber keinen Blick in unabhängige Reifentests.
Österreich: Winterausrüstungspflicht mit festem Zeitfenster
In Österreich gilt für mehrspurige Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen nach § 102 Abs. 8a des Kraftfahrgesetzes (KFG) in der Zeit vom 1. November bis 15. April eine Winterausrüstungspflicht — situativ, also nur bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen wie Schnee, Matsch oder Eis. Winterreifen müssen dabei eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern bei Radialreifen und fünf Millimetern bei Diagonalreifen aufweisen. Diese Werte liegen deutlich über der allgemeinen Mindestprofiltiefe und sind für Fuhrparks mit Fahrzeugen in beiden Ländern der praktisch strengere Maßstab.
Für Lkw über 3,5 Tonnen ist die Regelung strenger gefasst: Dort gilt die Winterreifenpflicht im selben Zeitraum unabhängig von der Witterung, sie ist an mindestens einer Antriebsachse zu erfüllen, und zusätzlich sind Schneeketten mitzuführen; die geforderten Mindestprofiltiefen liegen höher als bei leichten Fahrzeugen. Wer Fahrzeuge grenzüberschreitend einsetzt, sollte deshalb die österreichischen Werte als Planungsgrundlage nehmen — ein Satz, der in Deutschland noch zulässig ist, kann in Österreich bereits zu einer Verwaltungsstrafe führen.
Fazit
Reifenmanagement wird dann günstig und sicher, wenn es vorausschauend statt anlassbezogen betrieben wird. Messen Sie die Profiltiefe beim Wechsel und nicht erst vor der Saison, sichern Sie die Werkstattkapazität für den Herbst schon im Spätsommer, regeln Sie Lagerung und Zuordnung der Sätze schriftlich und halten Sie je Fahrzeug Wechseldatum, Kilometerstand, Profiltiefe, DOT-Nummer und Lagerort fest. Diese wenigen Angaben kosten pro Wechsel eine Minute und beantworten später die teuren Fragen — von der Ersatzbeschaffung bis zur Rückgabebewertung. Beginnen Sie beim nächsten Wechsel damit, statt auf den vollständigen Datenbestand zu warten.
Häufige Fragen
Wie viel Profiltiefe müssen Reifen im Fuhrpark mindestens haben?
Gesetzlich vorgeschrieben ist in Deutschland eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Diese Grenze markiert allerdings nur die Schwelle zur Ordnungswidrigkeit, nicht ein sicheres Fahrverhalten. Automobilclubs und Reifenhersteller empfehlen deshalb, Sommerreifen spätestens bei etwa drei Millimetern und Winterreifen bei etwa vier Millimetern Restprofil zu ersetzen, weil Nässe- und Schneegriffigkeit vorher deutlich nachlassen.
Wo finde ich das Herstellungsdatum eines Reifens?
Auf der Reifenflanke steht die DOT-Kennzeichnung. Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und Produktionsjahr an: 2325 bedeutet die 23. Kalenderwoche des Jahres 2025. Beim Kauf lohnt der Blick darauf, weil auch ungenutzte Reifen altern. Im Fuhrpark sollte die DOT-Nummer je Reifensatz erfasst werden, damit das Alter beim Wechsel nicht jedes Mal neu ermittelt werden muss.
Lohnt sich die Reifeneinlagerung beim Dienstleister?
In den meisten Fuhrparks ja. Der Dienstleister stellt Lagerfläche, fachgerechte Lagerbedingungen und meist eine Sichtprüfung beim Wechsel. Eigene Lagerung ist nur dann günstiger, wenn geeignete Fläche ohnehin vorhanden ist und jemand die Zuordnung der Sätze zuverlässig pflegt. Entscheidend ist in beiden Fällen eine schriftliche Regelung zu Haftung, Zustandsprüfung und Herausgabe der Reifen.
Sind Ganzjahresreifen für Firmenfahrzeuge sinnvoll?
Ganzjahresreifen können sinnvoll sein bei geringen Jahresfahrleistungen, überwiegend städtischem Einsatz und in Regionen ohne ausgeprägte Winter. Sie sparen Wechsel, Lagerkosten und Ausfallzeiten. Ihre Grenzen liegen bei hohen Fahrleistungen, schweren Fahrzeugen und regelmäßigen Fahrten in Mittelgebirge oder Alpenraum, wo Saisonreifen die besseren Fahreigenschaften und oft die längere Laufleistung bieten.
Warum ist die Reifendokumentation bei der Leasingrückgabe wichtig?
Bei der Rückgabe wird der Reifenzustand bewertet, und zu geringes Restprofil oder ein nicht passender Reifensatz führen regelmäßig zu Nachbelastungen. Wer Wechseldatum, Kilometerstand, Profiltiefe und Lagerort je Fahrzeug dokumentiert hat, kann den Zustand vor dem Rückgabetermin prüfen und rechtzeitig nachbessern, statt die Bewertung des Rücknehmers ungeprüft hinzunehmen.
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Titelbild: Andrea Piacquadio via Pexels


